Gewässerpflege und Gewässerentwicklung

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Aufgaben natürlicher Fließgewässer

Gewässer sind ein wesentlicher Teil von Natur und Landschaft. Sie bilden mit ihrer Aue ein komplexes Ökosystem und stehen in Wechselwirkung mit den morphologischen und hydrologischen Verhältnissen im Einzugsgebiet. Über lange Zeiträume entwickeln sich landschaftstypische Fließgewässersysteme, die mit ihrer Umgebung in einem dynamischen Gleichgewicht stehen. 

Im Vergleich zu anderen Landschaftselementen weisen Gewässer einen besonders großen Arten- und Individuenreichtum auf. Sie durchziehen die gesamte Landschaft und stellen deshalb wichtige Elemente der Biotopvernetzung dar.

Einwirkungen des Menschen auf die Gewässer, Maßnahmen an den Gewässern, aber auch Veränderungen im Einzugsgebiet greifen in das Gleichgewicht zwischen Gewässer und Aue ein. Viele Gewässerlandschaften sind infolge der Überbeanspruchung durch den Menschen ökologisch verarmt. Ihr Zustand ist als gestört und naturfern zu bewerten. In diesen Fällen sind zur Wiederentwicklung eines naturnahen Zustandes unterstützende Maßnahmen am Gewässer notwendig. 

Ziele der Gewässerpflege
Der derzeitige Zustand der Fließgewässer ist weitgehend bestimmt durch die vom Menschen gewollte Nutzung. Raum für natürliche Gestaltungsvorgänge steht den Gewässern häufig nicht mehr zur Verfügung. Eine standorttypische Ufervegetation in einem mehrstufigen Gehölzbestand ist an vielen Gewässern kaum noch vorhanden. 

Natürliche Gewässerlandschaften setzen dagegen von menschlichen Nutzungsansprüchen weitgehend ungestörte Wechselwirkungen zwischen Gewässer und Aue mit einer der natürlichen Sukzession überlassenen Vegetation voraus. 

Das Ziel von Pflege und Renaturierung der Gewässer ist die Erhaltung und Wiederentwicklung biologisch wirksamer, ökologisch wertvoller Gewässerlandschaften mit artenreichen Fließgewässern, deren Formen von landschaftsspezifischen Faktoren und von den wechselnden Wasserständen geprägt sind. 

In den Fällen, in denen den Gewässern aufgrund anderweitiger Nutzungen nur ein Teil ihres Einflussraumes zurückgegeben werden kann, zielen Pflege und Renaturierung auf die Entwicklung von Gewässern, die zwar auf die umgebende Kulturlandschaft Rücksicht nehmen, die aber dennoch den natürlichen Strukturen ausreichend Raum zur Entfaltung bieten. 

Maßnahmen zur Gewässerpflege
Zur Erhaltung und Wiederentwicklung naturnaher Gewässerlandschaften ist eine langfristige Konzeption erforderlich. Alle Maßnahmen sind an den naturraumtypischen Merkmalen, den morphologischen und gewässerbiologischen Vorgaben, aber auch an den nutzungsbedingten Zwängen zu orientieren. 

Um einen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen und eine zielgerichtete Koordinierung der Maßnahmen zu erreichen, ist es vordringlich, ein Entwicklungskonzept für das Gewässer aufzustellen. Die planerische Ausarbeitung dieses Konzeptes ist der Gewässerpflegeplan. Er zeigt die gegebenen Verhältnisse und die gegenseitigen Abhängigkeiten auf und stellt dar, welche Maßnahmen zur Wiederentwicklung naturnaher Gewässer einschließlich der Aue ergriffen werden sollen und welche Flächen dafür erforderlich sind. 

Die im Gewässerpflegeplan dargestellten Maßnahmen können auch die Notwendigkeit zu einer baulichen Umgestaltung des Gewässers beinhalten. In technisch ausgebauten Gewässerstrecken kann häufig nur durch eine bauliche Umgestaltung – Renaturierung – unmittelbar die Voraussetzung für die Wiederentwicklung eines naturnahen Gewässers geschaffen werden. 

Unter Renaturierung versteht man die Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen. Bei der Renaturierung von Bächen und Flüssen wird versucht, das ursprüngliche nichtbegradigte Flussbett wiederherzustellen, die Strömungsgeschwindigkeit und damit die Überschwemmungsgefahr zu reduzieren, sowie ursprüngliche Tier- und Pflanzenarten wiederanzusiedeln. 

Der für erfolgreiche Pflege und Renaturierung notwendige Raum kann durch den Ankauf von Flächen durch den Gewässerunterhaltungspflichtigen oder auch durch Extensivierung der Landnutzung geschaffen werden. 

Voraussetzung für die Entwicklung naturnaher Gewässer ist weiterhin, dass die Gewässergüte die Ansiedlung einer standorttypischen Flora und Fauna ermöglicht. An vielen Gewässern wurde in den zurückliegenden Jahren der Stoffeintrag aus Kläranlagen und Kanalisationssystemen bereits deutlich verringert.  

Daneben muss vielfach auch der Stoffeintrag aus intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen reduziert werden. 

Gesetzliche Grundlagen, zuständige Stelle und Ansprechpartner
Gewässerpflegepläne sind Bestandteil der Gewässerunterhaltung. Sie sind nicht gesetzlich vorgeschrieben und stellen lediglich eine Selbstbindung des Unterhaltungspflichtigen dar. Ihre Aufstellung wird empfohlen, um die Arbeiten am Gewässer zu systematisieren, zu koordinieren und um sie frühzeitig mit anderen Trägeren öffentlicher Belange abzustimmen. 

Maßnahmen der Gewässerunterhaltung sind genehmigungsfrei. Der Gewässerpflegeplan als Instrument der Gewässerunterhaltung bedarf insofern keiner wasserbehördlichen Zulassung. 

Maßnahmen der baulichen Umgestaltung eines Gewässers, so auch der Rückbau eines technisch ausgebauten Gewässers stellen dagegen wasserrechtlich in der Regel einen Ausbau dar und bedürfen deshalb der Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens oder zumindest einer Genehmigung. 

Zuständig für Ausbau und Unterhaltung der natürlichen Fließgewässer in Rheinland-pfalz sind je nach Ordnung des Gewässers das Land, die Landkreise oder die Kommunen.

 

Klassifizierung der Gewässer

Ausbau- und Unterhaltungspflichtiger

 

Gewässer I. Ordnung

(Rhein, Lahn)

Land Rheinland-Pfalz soweit nicht Aufgabe der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes an Bundeswasserstraßen

 

Gewässer II. Ordnung

(Aar, Gelbach, Mühlbach, Dörsbach)

Landkreise und kreisfreie Städte

 

Die Aufgaben der Unterhaltung werden an bestimmten Gewässern(z. B der Aar) wegen ihrer wasserwirtschaftlichen Bedeutung vom Land Rheinland-Pfalz wahrgenommen (§ 63 Abs. 3 Landeswassergesetz)

 

Gewässer III. Ordnung

(sonstige Gewässer)

Kreisfreie Städte, verbandsfreien Gemeinden und Verbandsgemeinden

 

 

Als Ansprechpartner in Frage der Pflege und der Renaturierung von Fließgewässern stehen die Gewässerunterhaltungspflichtigen, die Wasserwirtschaftsämter und das Landesamt für Wasserwirtschaft Rheinland-Pfalz zur Verfügung. 

AKTION BLAU - Gewässerentwicklung in Rheinland-Pfalz
Das Lebenselexier Wasser und die Gewässer als die Lebensadern unserer Landschaft haben bei der Entwicklung unserer Umwelt eine herausragende Bedeutung. Unsere Bäche und Flüsse führen wieder weitgehend sauberes Wasser. Dies alleine macht jedoch noch kein gutes Gewässer aus. Was wir in der Zukunft brauchen, sind Gewässer und Auen, die ein gutes Selbstreinigungs- und Regenerationsvermögen haben, die einen typisch artenreichen Tier- und Pflanzenbestand aufweisen, in denen Fische wieder Kinderstuben finden, die dem Hochwasserschutz auf natürliche Weise dienen. 

Eine solche ganzheitliche und funktionelle Entwicklung der Gewässer ist ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung der AGENDA 21. 

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 1994 die "Aktion Blau - Gewässerentwicklung in Rheinland-Pfalz" gestartet. Dieses Aktionsprogramm verfolgt die landesweite Wiederherstellung natürlicher oder naturnaher Gewässer in Rheinland-Pfalz. Alle Aktivitäten des Landes, der Landkreise, der Kommunen und einzelner Bürger zur Wiederherstellung naturnaher Gewässer. 

Die AKTION BLAU ist ein Aktionsprogramm des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz, Rheinland-Pfalz, das seit 1995 erfolgreich die Wiederherstellung von naturnahen Gewässerzuständen fördert. 

Dieses Aktionsprogramm umfasst alle Aktivitäten des Landes, der Landkreise, Kommunen, Unterhaltungsverbände und der einzelnen Bürger, die auf die Gewässerrenaturierung ausgerichtet sind. Unsere Bäche und Flüsse wurden in der Vergangenheit unter kurzsichtigen ökonomischen und technischen Gesichtspunkten vielfach zu monotonen und naturfernen Gewässern ausgebaut. 

Die AKTION BLAU wurde aus der Erkenntnis der letzen Jahrzehnte heraus geboren, dass wir uns letztlich selbst schaden, wenn wir unsere Umwelt bis zum Äußersten beanspruchen. 

Die AKTION BLAU ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und des AGENDA 21 Prozesses geworden. Alle Maßnahmen befassen sich nicht nur mit dem Gewässer selbst, sondern stets auch mit dem Umfeld der Gewässer, der Aue. 

Aktionsbereiche der AKTION BLAU:

Aktion Blau 

Alle Maßnahmen, die zur Regenerierung der Fließgewässer in Rheinland-Pfalz beitragen, können über die AKTION BLAU bis zu 90% gefördert werden. 

Entsprechende Förderanträge können bei den Regionalstellen Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Bodenschutz gestellt werden. 

Über die in ganz Rheinland-Pfalz gegründeten Gewässernachbarschaften vermittelt die Gesellschaft zur Fortbildung für Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung (GFG) das Wissen aus den Aktionsbereichen der AKTION BLAU und fördert den regionalen Erfahrungsaustausch. 

Die generellen Hauptziele der Aktion Blau und der Gewässerentwicklung können in drei Punkten zusammengefasst werden: 

  1. Wiederherstellung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Gewässer
    Die Renaturierung der Gewässer ist ein landesweiter Prozess, der aus technischen und wirtschaftlichen Gründen mehrere Jahrzehnte beanspruchen wird. Dieser Prozess konnte in den vergangenen Jahren begonnen werden.
  2. Nachhaltige Hochwasservorsorge durch natürlichen Hochwasserrückhalt
    Das Niederschlagswasser soll nicht so schnell wie möglich abgeleitet, sondern wo immer möglich kostenneutral und eben hochwasserbewusst zurückgehalten werden. Hochwasser kann auf der Fläche, in den Auen und im weit verzweigten Gewässernetz zurückgehalten werden.
  3. Integration anderer Belange des Allgemeinwohls
    Unser Leben und unsere Kultur sind mit den Gewässern verbunden. Die Gewässer sollen deshalb vielfältige Funktionen im Naturhaushalt, in der Kulturlandschaft und für die Menschen erfüllen.