Geschichte

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Portrait Rhein-Lahn-Kreises

Landschaft und Geschichte
 
Der Rhein-Lahn-Kreis ist 782,31 qkm groß und hat 9 Städte und 128 Gemeinden. Er ist - wie die meisten rheinland-pfälzischen Kreise - im Rahmen der Gebietsreform von 1969 durch Zusammenschluss zweier Kreise (Loreley- und Unterlahnkreis) entstanden. Dieser neu gebildete Kreis, dessen Verwaltung damals von St. Goarshausen und Diez nach Bad Ems verlegt wurde, umfasst das rechtsrheinische Gebiet mit der Lahnmündung, den Verlauf der Lahn bis Diez kurz vor Limburg, die südlichen Ausläufer des Westerwaldes zum Lahntal hin und das nördliche Hochland des Taunus zwischen Rhein und Aar.

Der Rhein-Lahn-Kreis ist 782,31 qkm groß und hat 9 Städte und 128 Gemeinden. Er ist - wie die meisten rheinland-pfälzischen Kreise - im Rahmen der Gebietsreform von 1969 durch Zusammenschluss zweier Kreise (Loreley- und Unterlahnkreis) entstanden. Dieser neu gebildete Kreis, dessen Verwaltung damals von St. Goarshausen und Diez nach Bad Ems verlegt wurde, umfasst das rechtsrheinische Gebiet mit der Lahnmündung, den Verlauf der Lahn bis Diez kurz vor Limburg, die südlichen Ausläufer des Westerwaldes zum Lahntal hin und das nördliche Hochland des Taunus zwischen Rhein und Aar.

Für die Römer hatte dieses Gebiet besondere Bedeutung: Fast ein Drittel ihrer Truppen war am Limes stationiert, dessen rechtsrheinischer Abschnitt unter Kaiser Domitian (81-98 n. Chr.) angelegt wurde. Der Limes durchzieht das Kreisgebiet von Nordosten nach Nordwesten; zwei Kastelle sicherten den strategisch wichtigen Lahn-Übergang in Bad Ems, ein weiteres großes Kastell, von dem noch umfangreiche Reste erhalten sind, befand sich bei Holzhausen auf den Höhen des Taunus. Auch heute noch sind hier Reste des römischen Limes sichtbar. Im Jahre 2005 hat die UNESCO den Obergermanisch-Raetischen Limes, und damit auch den Limes im Rhein-Lahn-Kreis, als Welterbe ausgezeichnet. 

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches entstanden in fränkischer und karolingischer Zeit große Höfe, die als Besitz der Kirche oder der großen Adelsfamilien politisch und wirtschaftlich bestimmend waren. Aus ihnen wuchsen so bedeutende Geschlechter wie das der Nassauer, auf die das heutige niederländische Herrscher-haus zurückgeht. Als Grafen von Laurenburg 1117 erstmals erwähnt, nannten sie sich später nach ihrem neuen Stammsitz, der Burg Nassau.

Besondere Bedeutung erlangten die Grafen von Katzenelnbogen. Ihnen war es gelungen, ihren Besitz und ihren Einfluss seit dem 12. Jahrhundert so auszudehnen, dass sie zu den Reichsten ihrer Zeit gehörten. Von ihrer regen Bautätigkeit zeugen noch heute zahlreiche Burgen am Rhein, im Westerwald und auf dem Gebiet des heutigen Hessen. Im Rhein-Lahn-Kreis sind es insbesondere ihre Stammburg in Katzenelnbogen, die Burgen in Burgschwalbach, Diez, Reichenberg, Braubach und Burg Katz, die alle das hohe technische und künstlerische Niveau des katzenelnbogischen Festungsbaues beweisen.

Zu Beginn der Neuzeit war das Land aufgeteilt in Besitztümer der Kurfürsten von Mainz und Trier, der freien Reichsritter, zu denen beispielsweise die Familie des Freiherrn vom Stein gehörte, und in die Gebiete der verschiedenen hessischen Linien: Hessen-Nassau, Hessen-Oranien und Hessen-Usingen. Wie willkürlich diese territorialen Grenzen waren, zeigt das Beispiel Lahnsteins: Oberlahnstein gehörte zu Kurmainz, das auf der nördlichen Lahnseite gelegene Niederlahnstein dagegen zu Kurtrier. In Bad Ems teilten sich die Fürsten von Hessen-Nassau und von Hessen-Darmstadt den kleinen Bereich des Bades, während das gegenüberliegende Ufer dem Kurfürsten von Mainz gehörte.

Dieses buntscheckige Nebeneinander, das sich noch heute in den oft von Dorf zu Dorf unterschiedlichen Konfessionen widerspiegelt, wurde in der Folge der napoleonischen Kriege durch den Rheinbund weitgehend vereinheitlicht. 1806 kam der größte Teil des Gebietes an Nassau, 1815 schließlich gehörte der gesamte Bereich des heutigen Rhein-Lahn-Kreises zum Herzogtum Nassau. Von da an war die politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung mit der Nassaus verknüpft, bis 1944 die Verbindung aufgelöst und nach dem Zweiten Weltkrieg dieser Teil des seit 1866 preußischen Regierungsbezirks Wiesbaden Bestandteil des neu gegründeten Bundeslandes Rheinland-Pfalz wurde.

Die auf den Freiherrn vom Stein zurückgehende Verwaltungsreform brachte mit der Einrichtung von "Ämtern" einigen kleineren Städten Zentrumsfunktionen und damit eine bescheidene wirtschaftliche Blüte. Nastätten und St. Goarshausen zeigen noch heute in ihren Bauten den Charakter solcher Amtssitze: Schlichte klassizistische Bürgerhäuser und Amtsgebäude verdrängten die Fachwerkbauten oder schlossen sich an die alten Ortskerne an. In Diez, wo durch die Hofhaltung bereits im ausgehenden 17. Jahrhundert mit der Gründung der "Neustadt" ein ganz eigentümlicher Stil entstanden war, ist dies weniger deutlich, dort dominiert neben den großen Fachwerkbauten der winkeligen Altstadt der an niederländischen Vorbildern orientierte Barock. Gleichzeitig mit den Verwaltungsreformen nahmen im 19. Jahrhundert Fremdenverkehr und Industrialisierung einen entscheidenden Aufschwung.

Nur wenige Zeugnisse deuten heute noch darauf hin, dass der Rhein-Lahn-Kreis bis vor nicht allzu langer Zeit ein hoch entwickeltes Industriegebiet war. So manches idyllische Tal war von Lärm und Rauch erfüllt, und alte Bilder zeigen deutlich die Schäden schwefelhaltiger Abgase: kahle Berghänge, entlaubte Bäume. Berühmt waren die Holzappeler Hütte, deren Anlagen auch Goethe besichtigte, und deren riesige Abraumhalden das Landschaftsbild bei Holzappel und Laurenburg prägen (die letzte Grube schloss 1953), sowie die Blei- und Silberhütte in Bad Ems, deren Besichtigung in das Programm der Kurgäste ebenso gehörte wie ein Besuch der Nieverner Hütte bei Fachbach. Im benachbarten Friedrichssegen, wo es Gruben und Aufbereitungsanlagen, Arbeiter- und Direktorenwohnungen, eine Schule und eine Kirche gab, ist nahezu nichts mehr erhalten. Auch Kaub, ehemals ein Zentrum des Schieferbergbaues, besitzt nur noch wenige Zeugnisse dieser Vergangenheit. Die Bleihütte in Braubach gehört dagegen zu den wenigen aktiven Betrieben dieser Art, auch wenn diese "Hütte" heute der Wiederverwertung von Akkumulatoren gewidmet ist. Die drei weithin sichtbaren Schornsteine der Entlüftungsanlage bilden einen Kontrapunkt zur Marksburg.

Mehr Kontinuität weist der Tourismus auf: Seit dem 18. Jahrhundert gehört die Landschaft des heutigen Rhein-Lahn-Kreises mit ihren Burgen und Schlössern an Rhein und Lahn zu den berühmtesten Touristenzielen Europas. Die "Rhenish Tour" war für den Bildungsreisenden des späten 18. und 19. Jahrhunderts obligatorisch wie die Reise zum Golf von Neapel. Zahlreiche, vor allem in Großbritannien publizierte Stiche mit Abbildungen von Burgen und Schlössern am Rhein, aber auch an der Lahn, bezeugen die Beliebtheit dieser Landschaft und ihrer Kultur. Der Rhein, besonders der Abschnitt zwischen Kaub und Koblenz, galt als Inbegriff einer romantischen Landschaft. Durch sie wurde das Deutschlandbild im Ausland wesentlich geprägt. Eine 1829 eröffnete direkte Dampfschiff-Linie zwischen London und Mainz zeigt, welche Bedeutung der Fremdenverkehr bereits damals für die Wirtschaft dieser Region hatte. Mit annähernd einer Million Übernachtungen im Jahr ist er auch heute ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor.
Eine besondere Aufwertung erhielt das so genannte „Obere Mittelrheintal“ durch die Anerkennung als Weltkulturerbe der UNESCO im Jahre 2002.

Die staatliche Zuordnung zum Herzogtum Nassau (1806-66) hat den Charakter des heutigen Rhein-Lahn-Kreises maßgeblich bestimmt. Dies zeigt sich beispielsweise an den Verkehrswegen: Die Eisenbahnlinie am Rhein und an der Aar bilden die Verbindung mit der Hauptstadt, die Lahntal-Linie erschließt die industriellen Anlagen und die Touristenzentren. Die großen Straßen, auf denen im Mittelalter der Verkehr den Taunus kreuzte, nahmen dagegen an Bedeutung ab, eine Ausnahme machte die "Bäderstraße" als Verbindung zwischen den nassauischen Bädern.

Die Landschaft an Rhein und Lahn ist eine Kulturlandschaft, nicht nur wegen ihrer Bauten - Burgen, Schlösser, Kirchen, Klöster, historische Städte und Dörfer -, sondern auch in ihren Landschaftsformen. Die Entwicklung der Landwirtschaft mit ihren Ro-dungen für Äcker- und Weideland hat die Landschaft ebenso geprägt wie der Weinbau mit seinen Terrassierungen oder der Bergbau, dessen Hinterlassenschaften uns immer wieder begegnen. Der Bau von Straßen und Eisenbahnen in der Neuzeit hat in der Landschaft seine Spuren ebenso hinterlassen wie der römische Grenzwall mit seinen Befestigungstürmen und Kastellen, die Wälle des römischen Limes durchziehen die Landschaft des Taunus wie die Aufschüttungen für die - bis 1957 betriebene - Nassauische Kleinbahn und die Wälle der napoleonischen Straßenbauer.

Gleichzeitig mit der Verwirklichung der Stein'schen Reformen fand während der Zeit des Herzogtums Nassau eine Liberalisierung vieler Bereiche statt. Ausdruck hierfür ist beispielsweise die Einrichtung von "Simultanschulen", in denen Kinder verschiedener Bekenntnisse gemeinsam unterrichtet wurden. Diese Liberalität prägte den Charakter der Bevölkerung, in der neben einem selbstbewussten Bürgertum mit der Industrialisierung auch eine zumeist eng mit der bäuerlichen Herkunft verbundene Arbeiterklasse entstand. Das Nebeneinander von Landwirtschaft und Industrie war hier selbstverständlich, da die Erträge der Landwirtschaft kaum ausgereicht hätten.

Vieles, was noch heute den Rhein-Lahn-Kreis vom übrigen Rheinland-Pfalz unterscheidet, erklärt sich aus dieser historischen Entwicklung. Vielleicht ist es auch kein bloßer Zufall, dass die drei berühmtesten Männer dieser Gegend ein Staatsmann, ein Erfinder und ein als "Helfer der Armen" idealisierter Räuber sind: der aus Nassau stammende Freiherr vom Stein, Nikolaus August Otto, der Erfinder des Otto-Motors, aus Holzhausen und der - in Miehlen geborene - "Schinderhannes".