Nr. 98 – Rhein-Lahn-Kreis. Der Trockenmauerbau ist eine jahrhundertealte Handwerkskunst, die nicht nur die Kulturlandschaften an Rhein, Mosel und Lahn prägen, sondern in ganz Deutschland eine bedeutende Rolle spielen. Von den Steillagen im Weinbau über historische Friedhofsmauern und Burgruinen bis hin zu Böschungsmauern und Umfriedungen – überall in der Bundesrepublik sind Trockenmauern wichtige Elemente des kulturellen Erbes.
Nun startet eine bundesweite Initiative zur Aufnahme des Trockenmauerbaus in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Die Federführung der Bewerbung hat die Regionalinitiative „Faszination Mosel“ übernommen, die gemeinsam mit relevanten Akteuren aus ganz Deutschland an einer umfassenden Bewerbung arbeitet.
„Das Handwerk des Trockenmauerbaus ist ein lebendiges Kulturerbe, das weit über die Weinbauregionen hinausgeht. In der gesamten Bundesrepublik gibt es historische Trockenmauern, die landschaftsprägend, ökologisch wertvoll und kulturhistorisch bedeutsam sind“, erklärt Simone Röhr, Geschäftsführerin der Regionalinitiative „Faszination Mosel“ mit Sitz in Wittlich/Rheinland-Pfalz. „Unser Ziel ist es, mit einer starken bundesweiten Allianz die Bedeutung dieses Handwerks für Deutschland hervorzuheben.“
Bundesweiter Beteiligungsprozess gestartet
Damit die Bewerbung möglichst viele Facetten des Trockenmauerbaus abbildet, wurde ein Beteiligungsprozess ins Leben gerufen. Alle relevanten Akteurinnen und Akteure – darunter Handwerkerinnen und Handwerker, Fachleute aus dem Natur- und Denkmalschutz, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Institutionen sowie regionale Initiativen – sind eingeladen, sich aktiv einzubringen.
Hierzu wurde eine Online-Umfrage erstellt, mit der das Wissen, die Erfahrungen und die regionale Verbreitung des Trockenmauerbaus dokumentiert werden sollen. Zusätzlich soll es regionale Infoveranstaltungen geben, um das Thema vor Ort bekannt zu machen und weitere Mitstreiter zu gewinnen.
Link zur Umfrage: https://daten.kv-bks-wil.de/apps/forms/s/jrxFmrm23DfWDJ4AgHwd5PAS
„Mit den Kursen, die wir seit Jahren in unserer Region anbieten, dem Bau des Trullo in Obernhof und unserer gemeinsamen Trockenmauerbau-Broschüre haben wir in der Vergangenheit bereits viel für den Erhalt dieser alten Handwerkskunst getan“, erklären Nico Melchior vom Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal und Naturparkreferent Stefan Eschenauer.
„Bei uns in der Region ist ein kleiner Hype um diese alte Handwerkskunst entstanden. Die Kurse, die angeboten werden, sind oft innerhalb von Stunden ausgebucht“, so Nico Melchior weiter.
In diesem Jahr bieten wir auch den ersten Kurs an der Lahn in Nassau an, der ebenfalls nach kurzer Zeit ausgebucht war. Das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum Westerwald-Osteifel hat in einem aufwändigen Verfahren ermittelt, dass an der unteren Lahn noch circa 100 km Mauern vorhanden sein müssten, von denen leider nicht mehr so viele sichtbar sind, ergänzt Eschenauer.
Gemeinsam für den Erhalt des Trockenmauerbaus
„Eine Eintragung als Immaterielles Kulturerbe wäre sicherlich eine wertvolle Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit und könnte auch neue Impulse für zukünftige Schutzmaßnahmen und Weiterbildungen, aber auch die generelle Wertschätzung dieses traditionsreichen Handwerks bringen. Deswegen unterstützen wir die Bewerbung und möchten damit weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung und Weitergabe dieser Handwerkstechnik in unserer Region leisten“, betont Jörg Denninghoff, Landrat des Rhein-Lahn-Kreises und Vorstand beider Zweckverbände.
Die Bewerbung muss bis Ende Oktober 2025 eingereicht werden. Wer sich beteiligen oder die Bewerbung unterstützen möchte, kann sich an n.melchior@zv-welterbe.de stefan.eschenauer@naturparknassau.de oder direkt an die Regionalinitiative „Faszination Mosel“, E-Mail: simone.roehr@bernkastel-wittlich.de wenden.
Foto: Stefan Eschenauer